17.09.2009
12:43

Migranten in der gegliederten Schule

Bildungsklick und Philologen täuschen sich

Bildungsklick verbreitet eine Meldung des bayerischen Philologenverbandes:

"Gegliedertes Bildungssystem für Migrantenkinder aus unteren Bildungsschichten vorteilhaft ..."

Pisaversteher hat nachgefragt - und, siehe da, der Forscher aus dem einschlägigen Projekt verneint: "Die Aussage, dass das gegliederte Schulsystem den Migranten per se etwas bringt, ist anhand der von uns durchgeführten Studie 'Bildungsentscheidungen in Migrantenfamilien' nicht zulässig." 

Nach dem bayerischen Philologenchef Max Schmidt bringt das dreigliedrige Schulsystem für Migrantenkinder Vorteile. Schmidt beruft sich auf eine Aussage von Hartmut Esser, einem Migrationsforscher aus Mannheim.

"Ein gegliedertes Bildungssystem nutzt beim sozialen Aufstieg gerade den Migrantenkindern aus den unteren Bildungsschichten (...)."

Hartmut Esser sagte pisaversteher, er habe mit dem Zitat etwas anderes gesagt: "Dass die Migrantenkinder von den gegliederten Systemen nicht mehr benachteiligt sind als die anderen (Kinder) - wenn man berücksichtigt, welches Bildungssystem ihr Herkunftsland hat." 

Esser nennt das Zitat eine verunglückte Zwischenüberschrift der Redaktion der FAZ, in der er über die gut gemeinten, aber oft verfehlten Förderprogramme für Migranten berichtet hatte. (FAZ: "Modell, Versuch und Irrtum", v. 29. Juli 2009) Esser verweist auch auf Jaap Donkers, der in einer Studie eine interessante Erkenntnis zutage förderte: Für Migrantenkinder seien die schwach gegliederten Bildungssysteme am besten - am schlechtesten die stark gegliederten. "Also: wieder mal eine interessante Differenzierung." Das deutsche Systrem gilt weltweit als eines der am stärksten gegliederten. 

Auch der Mannheimer Forscher Jörg Dollmann aus dem Projekt Bildungsentscheidungen in Migrantenfamilien, der mit Esser zusammen arbeitet, kann diese Aussage aus seinen Untersuchungen so nicht bestätigen.

Dollmann sagte pisaversteher, Migrantenfamilien nutzten die Übergangspunkte im gegliederten System besser als Familien anderer Herkunft. Das hat mit deren hohen Bildungsaspirationen zu tun. Allerdings hat Dollmann nicht Bildungssysteme verglichen, sondern das Verhalten von Familien verschiedener Herkunft im gegliederten Schulwesen

Siehe auch Bildungsklick

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