08.06.2009
09:38

Die Lostrottel

Die Lostrottel

Die größten Gegner des Loses sind seine größten Fans

Bildungspolitik in Berlin ist immer ein bisschen verrückter als anderswo. Am Montag (8. Juno) zum Beispiel veranstalteten der Philologenverband und die GEW zusammen mit dem Landeselternsprecher Schindler eine Pressekonferenz - zusammen! Diejenigen, die sich spinnefeind sind, saßen also plötzlich in einem Boot. 

Zusammengebracht hatte sie die Tatsache, dass Berlin künftig die Hälfte der Plätze für Gymnasien und Sekundarschulen per Los vergeben will. Dagegen sind sie alle. "Ein bildungspolitisches Desaster", schimpfte der oberste Oberstudiendirektor, Ralf Treptow. "Leistungs- und kinderfeindlich" sei es, Kinder per Losverfahren auf Schulen zu verteilen, sagte die Philologin Kathrin Wiencek. Und der Mann von der GEW, Ulrich Meusel, sagte: "Das Losverfahren gefährdet unsere Profilbildung".

"Eine gemeinsame Position kann es nicht geben."

Die Einigkeit der Antipoden reichte allerdings nicht weit. Denn bei der Frage, wie sie die Kinder verteilen würden, winkten die Losrebellen aufgeregt ab. "Wir sind von viel zu unterschiedlichen Organisationen", sagte Treptow, "eine gemeinsame Position kann es gar nicht geben."

Ok, man konnte ahnen, dass sich GEW, Oberstudiendirektoren, Philologen und Eltern gar nicht einig sein können. Richtig peinlich wurde es für die Presseerklärer freilich, als das herauskam: Sie wollen zwar die Quote nicht - aber sie wenden sie entweder selbst alle an oder kommen künftig nicht um sie herum. 

Die beiden Gesmatschulvertreter gestanden ein, dass sie, sobald alle anderen Aufnahmekriterien abgearbeitet sind, schon heute das Losverfahren benutzen, um Schüler auszusuchen. Schindler und die Philologin sagten, sie würden Losquoten von 20 Prozent hinnehmen. Und der oberste Oberstudiendirektor Treptow wand sich wie ein Aal, um von seinem Auswahlverfahren abzulenken. Da könne er jetzt nicht drüber reden, das zeige die Zukunft, das sei ja gar nicht die Frage.

"Kein faires Verfahren - außer Schule für alle"

Ralf Treptow weiß genau: Wenn bei ihm 200 Kinder von ihren Eltern auf 60 freie Plätze angemeldet werden, dann kommt auch er um die Lostrommel nicht herum - denn alle anderen Kriterien sind höchst intransparent.

Ulrich Meurer belehrte ihn glücklicherweise: "Es gibt kein faires Verfahren, um den Übertritt von der 6. auf die 7. Klasse zu regeln. Außer alle Schulen werden gleich behandelt, sprich: Es gibt eine Schule für alle."

Das war dann doch ein Ergebnis der Pressekonferenz - wenn auch nicht das erwartete. 

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