19.05.2010
11:30

Mobbing gegen neuen Bundeselternchef beginnt

Warnschuss Numero 1

Realschullobby verwarnt Bundeselternchef

Jetzt gehts wieder los. Die bayerischen Realschulleltern haben den neuen Vorsitzenden des Bundeselternrats, Hans-Peter Vogeler, scharf ermahnt, er solle die Grundschule gefälligst nicht kritisieren.

Das ist der Beginn einer Kampagne - Vogeler ist nicht der erste Bundeselternchef, der gemobbt wird.

Was ist passiert? Vogeler hatte jüngst eine Mitteilung heraus gegeben, vier Jahre Grundschule seien zu wenig. Man solle versuchen, die scharfen und harten Übergänge im Bildungssystem entschärfen - zum Beispiel, indem man die gemeinsame Grundschulzeit verlängert. Es ist eine in Wissenschaft und bei Eltern unumstrittene Tatsache, dass der Druck in der Grundschule enorm gestiegen ist - ein unheilvoller Druck, der vielen Kindern das Lernen und die Motivation kaputt macht. 

Lernen muss weh tun!

Allerdings: Ein Bundeselternchef darf solche Selbstverständlichkeiten nicht formulieren, weil er sonst gegen eine Satzung verstößt. Sofort wies der Realschulverband darauf hin, dass Bildung kein Entertainment sei - sondern "Pflichtprogramm für alle". Früher sagte man dazu: Lernen muss weh tun!

An sich ist das alles eine Bagetelle und keiner Nachricht wert. Die Pressemitteilungen der bayerischen Realschullobby sind Kabarett - sie dienen nur dazu, das bayerische Modell pädagogischer Apartheid aufrecht zu erhalten.

In Bayern dürfen sich Real- und Hauptschüler nicht einmal in Kooperationsschulen begegnen. Außer in Sport, Musik und auf dem Pausenhof ist es verboten, dass diese Kinder gemeinsam lernen.

Anscheinend denkt die Realschullobby, dass Hauptschüler eine infizierende Krankheit haben. 

Deckhengst des gegliederten Schulwesens

Allerdings: Diese Pressemitteilung war kein Witz, sondern ein Warnschuss. Der letzte Chef des Bundeselternrats Wilfried Steinert wurde weggemobbt, weil er zu oft "Schule für alle" und Integration sagte. Man bestellt ihn damals ein und bat ihn ebenfalls, sich satzungsgemäß zu verhalten - das hieß: den Mund zu halten. (siehe unten)

Strippenzieher hinter all dem ist Wolfgang Kuert, ein älterer, freundlicher Herr, der gar keine Kinder mehr in der Schule hat, aber sich als eine Art Deckhengst des "Aktionsbündnisses gegliedertes Schulwesen" sieht. Kuert reist durch die Republik und zeugt immer neue von diesen Kampfverbänden. Sie streiten für die Rohrstock- und Ständeschule des 19. Jahrhunderts. Immer dabei: Philologenverbände, Gymnasialeltern und Realschullobbyisten. 

Gut ist: Hans-Peter Vogeler ist ein witziger und selbstbewusster Typ, der sich nicht leicht unterkriegen lässt.

Schlecht ist: Wolfgang Kuert hat nichts anderes mehr zu tun, als Schulen und Lernen für das 21. Jahrhundert zu verhindern. Er wird nicht locker lassen, ehe Vogeler geht. 

Siehe auch die von Wolfgang Kuert verbreitete Mitteilung der Realschuleltern aus Bayern:

Pressemitteilung Landeselternverband Bayerischer Realschulen e. V., 18.05.2010

Nicht alle einer Meinung im und mit dem Bundeselternrat
(BER)

Der Bundeselternrat, dessen satzungsmäßige Aufgabe eigentlich der Erfahrungsaustausch zwischen seinen Mitgliedern ist, fordert die Bildungspolitiker aller Bundesländer auf, den Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen durch eine längere gemeinsame Schulzeit zu entschärfen. Nicht alle Verbände im Bundeselternrat sind der Meinung, dass der Wechsel nach vier Schuljahren zu früh ist. Selbst der stellv. Vorsitzende im BER, Joachim Klesen, lehnt in seinem Land (Saarland) aktiv das längere gemeinsame Lernen ab. Der Landeselternverband Bayerischer Realschulen befürwortet ausdrücklich den Umstieg in weitere Schularten nach Jahrgangsstufe vier. Es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Befund, der längeres gemeinsames Lernen oder gar die Einheitsschule befürwortet.

Dass ein Wechsel nach sechs, acht, neun oder zehn gemeinsamen Schuljahren leichter wäre, ist ein absoluter Irrglaube. „Wir müssen endlich wieder laut sagen dürfen, dass Schule kein Entertainment ist, sondern Pflichtprogramm für alle, egal in welcher Schulart. Wenn junge Eltern immer nur hören und überall lesen, wie schlimm unsere Bildungssysteme sind und wie benachteiligt die Kinder sind, dann ist klar, dass sich Eltern keine neutrale und emotionslose Meinung mehr bilden können“, so Ingrid Ritt, Vorsitzende der Realschuleltern. So hart es klingt, aber ohne Disziplin, Ausdauer und dem eigenen Willen zum Lernen wird es keinem Schulsystem gelingen, alle Jugendlichen zu einem Schulabschluss mit entsprechender Ausbildungsreife zu führen.

Unsicherheit und Frustration erzeugt nicht ein Bildungssystem, sondern die Menschen, die es gestalten, und da gehören alle am Schulleben Beteiligten dazu. Wir können Sicherheit und Optimismus herstellen.

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Das Aktionsbündnis Gegliedertes Schulwesen erinnert den Bundeselternrat an das Gespräch zum Thema satzungsgerechte Arbeit des Bundeselternrates am 10. September 2006, von 13.08 Uhr bis 15.56 Uhr, am Bad Harzburger Werner-von–Siemens-Gymnasium.

Leitung : Herr Wolfgang Kuert

Teilnehmerinnen / Teilnehmer:
Herr Wilfried Steinert , Vorsitzender des Bundeselternrates (BER)
Herr Dr. Jörg Vogel, stellvertretender Vorsitzender des BER
Herr Peter Wisniewski, Schriftführer des BER


Frau Claudia Jacobi, Realschulen Nordrhein-Westfalen (NRW)
Herr Joachim Klesen, Saarland
Herr Wolfgang Kuert, Niedersachsen (Nds. )
Frau Marietta Omidi, Gymnasien NRW
Frau Ingrid Ritt, Bayern
Herr Fred Röseler, Hessen
Herr Harald Rupsch, Schleswig-Holstein
Herr Heinz-Jürgen Schmieding , Nds.
Frau Sylvia Wiegert, Baden-Württemberg
Herr Heiner Windhaus, Nds.

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