24.05.2010
17:30

André der XIV. ist abgewählt

Neuer Berliner Landeselternchef. Misstrauensvotum gegen alten erfolgreich

Der Österreicher Günter Peiritsch fordert den Eltern-Alleinherrscher André Schindler heraus - und gewinnt. Schindlers Adlatus Renée Faccin bleibt und will die Abwahl seines Gurus anfechten

Die Abwahl des eigenwilligen Vorsitzenden des Landeselternausschusses, André Schindler, war erfolgreich. Er wurde am Freitag abend mit 13:11 Stimmen in einem konstruktiven Misstrauensvotum zugunsten des neuen Elternchefs, dem Österreicher Günter Peiritsch, abgewählt. Peiritsch kommt aus dem Bezirksausschuss Charlottenburg/Wilmersdorf, ist Projektentwickler und hat drei Kinder in der Grundschule.

Peiritsch versprach, aus dem Landeselternausschuss (LEA) wieder ein offenes und freundliches Gremium zu machen, das alle Berliner Eltern besser informiert.

„Ich möchte nicht nur durch einsame Pressemitteilungen Elternpolitik machen, sondern in einem starken Team mit verteilten Zuständikeiten arbeiten“, spielte Peiritsch im Gespräch mit der taz auf den Stil seines Amtsvorgängers André Schindler an.

Schindler hatte stets den Eindruck gemacht, er stehe als Landeselternausschussvorsitzender immer noch seiner gescheiterten Bildungspartei vor. Schindler hatte sich eine Art Privatfehde mit Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) geliefert, den er permanent und nicht selten ohne Legitimation durch den Landeselternausschuss scharf kritisierte.

Elternpolitik aus Kundus

Schindler verschickte zum Beispiel Pressemitteilungen mit der kruden Behauptung, der Berliner Senat wolle die Gymnasien abschaffen. Sogar aus Afghanistan, wo er an einem Bauprojekt beteiligt ist, regierte er über die Köpfe der Landeseltern hinweg - indem er von Kundus aus harsche Kritik am Ethikunterricht übte. Aber diese Aktion war womöglich eine zuviel. Denn die Kundus-Pressemitteilung zeigte dem Landeselternausschuss deutlich, dass er überflüssig ist. Danach formierte sich eine seriöse Gegenbewegung mit Günter Peiritsch an der Spitze.

Peiritisch versucht einen anderen Stil. Er sagte, der neue Vorstand des Landeselternausschusses müsse selbst eine neue, informativere Elternpolitik formulieren. Als seine persönlichen Ziele nannte Peiritsch eine verbesserte Ausstattung der Berliner Schulen.

„Wenn ein Gymnasium auf den Zeugnissen seiner Schüler vermerken muss, 'Physik wurde nicht erteilt', dann ist das untragbar,“ sagte Peiritsch. Er wolle gegen solche Zustände „mehr Elternpower organisieren.“

Peiritsch will zudem allen Schulformen einen größeren Stellenwert einräumen und auch Migranten besser vertreten. „Eltern mit Migrationshintergrund haben sich im LEA nicht wohl gefühlt und ihn deshalb verlassen. Das muss sich ändern“, meinte Peiritisch.

Der 51jährige ist bereits seit 1991 in Berlin und schwört allen Starallüren Schindler´scher Prägung ab. „Mein Spezialgebiet ist die Grundschule, da höre ich das Gras wachsen. Aber ich kenne mich nicht mit allem aus – und ich will das auch gar nicht.“ Peiritsch betonte, dass es in- und außerhalb des Landeselternausschusses exzellente Kenner gebe – „die will ich in der Öffentlichkeit sichtbar machen und sprechen lassen.“

Faccin will Peiritsch gleich wieder stürzen

Allerdings wird die neue Ära in der Berliner Elternpolitik nicht über Nacht anbrechen. Denn das Misstrauensvotum gegen Schindlers rechte Hand, den zweiten Vorsitzenden Renée Faccin, scheiterte knapp. Der Wahlvorgang zog sich in der Nacht zum Samstag ewig, weil Faccin und Mitglieder des LEA sich gegenseitig der üblen Nachrede bezichtigten. Faccin gewann die Abstimmung mit 13:11, eine gute Zusammenarbeit mit ihm gilt als schwer denkbar.

Faccin schilderte denn auch der taz, wie seine Zusammenarbeit mit Günter Peiritsch aussehen wird – er möchte ihn sofort wieder stürzen. „Ich gehe ich nicht davon aus, dass die Abwahl des Landeselternsprechers André Schindler überhaupt stattgefunden hat, weil an der Rechtmäßigkeit des Wahlergebnisses begründete Zweifel gehegt werden.“

Kommentarfunktion deaktiviert

Zurück

pisaversteher.de