09.07.2010
09:28

männer als täter und opfer

Die Odenwaldschule versucht Geburtstag zu feiern

Vielleicht sollten Schulen einfach ihre Schüler ernster nehmen. Auch die Odenwaldschule, die sich bereits vor 100 Jahren ins Programm geschrieben hat, dass sie eine Pädagogik vom Kinde aus praktizieren möchte. Die Schüler der Odenwaldschule haben jedenfalls eine Ideenwerkstatt veranstaltet. Darin forderten sie „eine interne Vertrauenspersonen für aktuelle Fälle.“ Dafür formulierten sie zwei Voraussetzungen: Die Vetrauenspersonen dürfen keine Lehrer sein - und sollen der Schweigepflicht unterliegen.

Die Schüler haben bei dieser Regel gar nicht an die vielen Missbrauchsfälle gedacht, die – wie jetzt herauskommt - seit 1966 an der OSO geschahen. Sie stellten die Forderung an eine ideale Schule. Genau das also, was die von Paul Geheeb in Oberhambach gegründete Schule sein wollte.

Täterstrategien

Das OSO-Jubiläum freilich wurde zu einem bedrückenden Fest. In einem Expertenhearing zum Missbrauch in der Gesellschaft wurde klar: Pädophile suchen gezielt nach Kindergruppen, es gibt regelrechte Netzwerke und ausgefeilte Täterstrategien, um an ihre Opfer heranzukommen. Ideal dafür sind Orte, wo viele Kinder zusammenkommen: Vereine, Spielplätze, Kindergärten und Schulen. „Pädophile verabreden sich im Netz, um in bestimmte Sportvereine einzutreten – weil die nicht so genau hingucken beim Missbrauch“, berichtete etwa Weiss von der Deutschen Sportjugend, die sich dem Thema sexualisierte Gewalt schwerpunktmäßig widmet.

Es ist als würde der Gesellschaft die Unschuld geraubt. Nach dem Bekanntwerden Hunderter Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen und an der Odenwaldschule Oberhambach, beschäftigt sich die Öffentlichkeit wie nie mit dem Thema. Das Nottelefon, das die Unabhängige Beauftragte für Missbrauch, Christine Bergmann eingerichtet hat, steht unter Hochdruck. Seit April gibt es 700 schriftliche Berichte und 800 telefonische.

„60 Prozent derer, die sich melden, reden das erste Mal über den Missbrauch“, sagte Bergmann, die von der Bundesregierung berufen wurde. Viele sind froh, dass ihnen zum ersten mal zugehört werde - und sie anerkannt werden.

Auch an der Odenwaldschule zeigte sich, dass es beinahe professionelle Täterstrategien und Schutznetzwerke gibt. Aus den Berichten, die der Schule vorliegen, zeigt sich, dass Lehrer der angesehenen Einrichtung gezielt mit Noten Kinder zum Schweigen brachten oder auch für Sex belohnten. Als ein Gruppe von Schülern zwischen 8 und 12 Jahren sich schon 1966 an den Schulleiter wandte, wurde nur einer der beiden Täter von der Schule geworfen – und der Schüler, der als Sprecher der Gruppe auftrat. Die Aufklärerin der Schule, Claudia Burgsmüller, sagte, „dass es energischen Widerstand der Schüler gegen den Missbrauch gegeben hat.“ Aber dieser Widertsand sei systematisch gebrochen worden.

Die pädophilen Wurzeln der Odenwaldschule wurden offenbar nicht aufgeklärt, sondern benutzt. (Siehe auch taz über Paul Geheeb und Gustav Wyneken)

Männer schweigen als Täter - und als Opfer

Männer sind aber nicht nur Täter, sie sind auch Opfer – und eine besondere Problemgruppe. Männern und Jungen fällt es besonders schwer, über erlittene sexuellen Übergriffe zu berichten. Männer äußern sich bei Bergmanns Stelle häufig schriftlich und sie berichten über Fälle, die teilweise sehr lange zurück liegen. Julia von Weiler von der Organisation innocence in danger und Christine Bergmann berichteten übereinstimmend, dass es zu wenig Beratungs- und Therapieplätze für Männer gebe. „Es fehlen Einrichtungen, die sich im Männer und Jungen kümmern“, so Bergmann.

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