02.12.2009
16:58

Drei Cent Anerkennung für jeden Lehrer

Der peinlichste deutsche Schulpreis

Sehr geehrter Herr Alaybeyoglu,

vielen Dank für unser Gespräch am Dienstag über die Wohltaten der Vodafone-Stiftung. Allerdings muss ich zugeben, dass Ihr Mitteilen und vor allem Ihr Verschweigen kein gutes Licht auf die Vodafone-Stiftung werfen. Lassen Sie uns beim einfachsten und zugleich empörendsten beginnen: Ihre Stiftung ist eine CSR- und Agitationsabteilung von Vodafone Deutschland. So ist die Industrie halt: Zieht Milliarden aus der Gesellschaft, gibt Peanuts zurück – und hängt das ganze auch noch an die große Glocke.

Sie aber, Herr Alaybeyoglu, sollten einfach wissen, wie der Umsatz und der Gewinn des Unternehmens ist, von dem Sie abhängig sind. Und Sie sollten es als Sprecher auch verraten, wenn man Sie danach fragt. Sonst könnte man auf die verrückte Idee kommen, diese folgenden Nachrichten zu schreiben, die ja beide vollkommen korrekt wären:

„Sprecher der Vodafone-Stiftung kennt Vodafone-Umsatz nicht“.

Oder noch blöder im Sound:

„Sprecher der Vodafone-Stiftung weigert sich, Vodafone-Gewinn zu nennen“.

Kurz zu dem, was Mäzenatentum ist und was peinlich ist.

Richtig ist es, „Bildung und soziale Mobilität zu fördern“, wie Sie als Ziel der Vodafone-Stiftung angeben. Peinlich ist es, dafür nur sechs Millionen zu spenden, wenn man einen Umsatz von 9,4 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern von 3,67 Milliarden Euro hat. Drei Millionen Euro gibt Vodafone Deutschland in den Pro-Bono-Topf seiner Stiftung, der Rest kommt von der der europäischen Vodafone-Stiftung. Herr Alaybeyoglu, das bedeutet, Vodafone D. gibt ein Promill seines Gewinns vor Steuern an die Gesellschaft zurück – in den USA würde sich kein Unternehmer wagen, eine so grotesk niedrige corporate responsibility-Rate auch nur zu erwähnen.

Wir erlauben uns aber zu erwähnen, dass die drei Millionen Euro, die Vodafone an seine Stiftung gibt, selbstredend steuerlich absetzbar sind. Nein, kein Missverständnis, wir sind nicht so naiv zu glauben, dass sie deswegen drei Millionen Euro weniger an Steuern zahlen. Aber wir wollen klarstellen: Auch der Steuerzahler beteiligt sich an ihrer wenig großzügigen Spende für die soziale Mobilität in Deutschland.

Aus den Mitteilungen, die Sie über den Deutschen Lehrerpreis geschrieben haben, geht hervor, dass Lehrer in etwa der wichtigste Job ist, den wir in Deutschland haben. Dem ist unbedingt zuzustimmen wegen des einzigen Rohstoffs Kinder, den wir haben etc. Meine Frage ist:

Wieso ist Ihnen die Anerkennung der 800.000 Lehrer in Deutschland dann nur 2,8 Cent je Lehrer wert?

Sie haben 23.000 Euro an Preisgeldern für den Deutschen Lehrerpreis ausgelobt.

Das ist, auch das muss man klarstellen, kein kleiner Betrag. Es bringt den Lehrern und möglicherweise auch für den Unterricht etwas - wenngleich sich insgesamt 27 Preisträger die 23.000 Euro teilen müssen. Aber: Ihr Preis steht in keinem Verhältnis zur Potenz des Unternehmens, das sie finanziert. Und der Preis steht in keinem Verhältnis zu dem bombastischen Werbeaufwand, den sie treiben. Umgerechnet drei Cent Anerkennung für die deutschen Lehrer - das ist ein bisschen zu wenig, wenn man – wie Sie - auch noch Karl Jaspers für sich in Anspruch nimmt: „Das Schicksal einer Gesellschaft wird dadurch bestimmt, wie sie ihre Lehrer achtet!".

Es ist auch ganz einfach. Der Deutsche Lehrerpreis will nicht das, was Sie behaupten: Lehrer anerkennen. Wenn das so wäre, dann würden sie mit großer Ehrlichkeit einen substanziellen Beitrag leisten für diesen lädierten Berufsstand. Und den bräuchte es, denn 300.000 Lehrer gehen in den nächsten Jahren in Ruhestand, und es ist gar nicht abzusehen, wie man kompetenten innovativen Nachwuchs dafür bekommen könnte.

Nein, das Ziel ihrer Aktion ist, Ihrem Unternehmen zu nutzen. Das ist korrekt. Prima. Das Ziel aber des Philologenverbandes, der mit ihnen den Preis verleiht, ist etwas ganz anderes. Man will den wirklich wichtigen Deutschen Schulpreis kopieren – und macht ihn dabei kaputt. Der Lehrerpreis ist nur ein Abklatsch des Schulpreises.

Der Lehrerpreis ist eine ziemlich preiswerte PR-Aktion von Vodafone und den deutschen Studienräten. Mit Innovation hat er, pardon, nichts zu tun.

Beste Grüße - Christian Füller. Pisaversteher

P.S. Gerade hat Oberstudiendirektor Meidinger Ihre Zahlen korrigiert. Es bekommen also doch alle 21 Preisträger je 1.000 Euro. Macht nach unserer Rechnung nun 34.000 Euro Anerkennung für die Lehrer. Gut, dass Sie das Preisgeld erhöht haben. Wir korrigieren sogleich den Wertschätzungsindex nach oben: Statt 2,8 Cent nun 4,2 Cent Anerkennung pro Lehrer.

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